Rede von Herrn Bürgermeister Scharf am Parlamentarische Abend am 1.07.2014


 
Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir alle, so auch ich, reden von einem Geburtstag, dem 40ten Geburtstag unserer Gemeinde. Und damit sind wir ja nicht allein in diesem Jahr, denn es gibt noch viele 40te Geburtstage landauf- landab, bis hin zu unserem Landkreis, der auch sein 40tes Geburtstagsfest begeht.
Aber, wenn wir uns einmal genauer die Ereignisse vor 4 Jahrzehnten betrachten, dann werden wir wohl weniger von einem Geburtstag als vielmehr von einer Zwangsheirat oder Zwangsehe sprechen können.

Ich habe, wie man das heute so macht, einmal kräftig gegoogelt und die öffentlichen Online-Bibliotheken bemüht. Die Zwangsheirat, so heißt es da, bezeichnet eine Eheschließung, die gegen den Willen eines oder beider Heiratenden stattfindet – im Unterschied zur bloß arrangierten Heirat, die zwar von Verwandten veranlasst oder von Ehevermittlern arrangiert wird, aber im Einverständnis mit dem Brautpaar stattfindet. Wenn wir uns vor Augen führen, dass sich die damalige SPD/FDP-Regierung des Landes Hessen auf die Fahne geschrieben hatte, die 2642 Gemeinden, 39 Landkreise und 9 kreisfreien Städte, die es 1969 in Hessen gab, auf 500 und die der Kreise auf 20 zu reduzieren, dann wird schnell klar – nur mit Liebe kann das nicht gehen. Den Gemeinden wurden Anreize für einen freiwilligen Zusammenschluss geschaffen durch Vergünstigungen im Kommunalen Finanzausgleich. Hier sei mir ein kurzer Schlenker erlaubt: Heute gäbe es gewiss keine finanziellen Anreize über den KFA, vielmehr sind diese Dinge heute neu zu ordnen.
In der Folge von 1969 führte dies dazu, dass für viele freiwillige Grenzänderungen noch der 31. Dezember eines zu Ende gehenden Jahres als Tag der Rechtswirksamkeit bestimmt wurde und nicht der
1. Januar des folgenden Jahres. Schon zum 31. Dezember 1971 hatte sich die Zahl der Gemeinden auf 1233 verringert. Eine Zwangszusammenlegung drohte ab dem 1. Juli 1974. Aber dazu kommen wir noch.
Schauen wir mal weiter im World Wide Web: Mit einer Heiratsvermittlung helfen Dritte, heiratswilligen Männern und Frauen einen geeigneten Partner für die beabsichtigte Eheschließung zu finden. In den meisten Ländern Europas ist Heiratsvermittlung heute meist eine kommerzielle Dienstleistung, in den letzten Jahren verstärkt im Internet. Eine durch Vermittlung geschlossene Ehe wird auch als arrangierte Heirat bezeichnet.
Wollten wir diesen Aspekt mit einfließen lassen, so wäre dann quasi der Landrat so eine Art Heiratsvermittler gewesen, zumindest bei heiratswilligen Ehepartnern.
Neuenhaßlau und Gondsroth haben sich also vor einer solchen Zwangszusammenlegung geeinigt. Wie so manche Anekdote aus dieser Zeit überliefert ist, sind sich dabei die beiden Heiratspartner in Person der damaligen Bürgermeister Bodo Käppel aus Neuenhaßlau und Jean Müller aus Gondsroth nicht immer turtelnd und mit zum Kussmund geformten Lippen begegnet. So mancher Nackenbiss, der ja heute noch im Tierreich unter Verliebten üblich ist, soll hier zu gegenseitiger Annahme und schließlich zum Eheschluss geführt haben. Wie dem auch sei: Hier ist sie, jene Urkunde, die in Wiesbaden am 10. September 1971 unterzeichnet wurde und den ehemals selbständigen Gemeinden von Neuenhaßlau und Gondsroth gestattet, den Namen HASSELROTH zu führen.
Zu diesem Zeitpunkt liebäugelten noch die Niedermittlauer Nachbarn mit den von ihnen ausgemachten Reizen der „Comtesse du Meerholz“ . Dieses Werben stand aber im Gegensatz zu den Absichten der Zwangsverheirater.
Schließlich, die Geschichte ist bekannt, wurde sozusagen „im letzten Moment“ 1974 Niedermittlau auch ein Teil dieser Ehe und da erkennen wir, dass es sich nicht mehr um eine monogame, sondern eine polygame Partnerschaft handelt.
Na ja, drei auf einen Streich, ob das immer gut getan hat ?
In Internetlexika kann man so einiges nachlesen über polygame Partnerschaften, so auch unter anderem, dass es dabei ganz besonders um die Existenzfrage geht, also wer hier wen und wie ernährt. Wir sehen: Zuletzt geht‘s also wieder mal um den BIMBES und wer welche Zechen bezahlen soll. Das scheint im Binnenverhältnis aller Verwandten, also Kommunen, Kreis, Ländern und dem Bund, bis hin zur großen Tante Europa bis heute das allumspannende Thema zu sein und auch zu bleiben.

Aber auch bei unserer Zwangsehe, die 1974 erweitert wurde – nur mal so nebenbei ist also Hasselroth selbst schon etwas älter – sollten wir weder vergessen noch verleugnen, dass die drei Ortsteile durch ein gemeinsames Kirchspiel schon seit Jahrhunderten verbunden waren.
Und dass sich Menschen aus diesen drei Ortsteilen auch untereinander verheiratet haben, ob nun arrangiert oder aus Liebe, das hat gewiss auch zu einer Verbundenheit auf dieser Ebene beigetragen, die nicht erst eines Zusammenschlusses der ehemals selbständigen Gemeinden bedurfte, auch wenn es Geschichten gibt, dass sich der damalige Standesbeamte in Niedermittlau gegen die Herausgabe der Niedermittlauer Amtssiegel gesträubt haben soll.
Ich will also mal beim Terminus des 40ten Hochzeitstages bleiben und mich so noch einmal dem Begriff des Hochzeitstages als solchem zuwenden:
Hochzeitstage sind demnach die Jahrestage der Hochzeit. Sie werden gemeinsam mit der Dauer der Ehe im deutschen Sprachraum mit verschiedenen Bezeichnungen belegt. Bestimmten Jahrestagen wurde schon im 19. Jahrhundert besondere Bedeutung zugemessen, namentlich sind das die Silberhochzeit (25 Jahre) und die haben wir schon hinter uns, als auch die goldene Hochzeit (50 Jahre) und die diamantene Hochzeit (60 Jahre), die wir wohl noch vor uns haben.
Im Laufe der Zeit wurden vielen anderen Jahrestagen Namen zugewiesen, die sich teilweise einer gewissen Verbreitung erfreuen, teilweise nur regional verwendet werden.
Bei den Bezeichnungen gibt es viele regionale Variationen, daher tragen etliche Jahrestage unterschiedliche Namen. Viele Bezeichnungen sind auch mehrfach vergeben, anmerken kann man, dass bei der Namensgebung vieler Jahrestage die „Geschäftsinteressen v. a. des Blumen- und des Schmuckhandels nicht zu übersehen sind.
Der 40te Hochzeitstag wird so denn auch als Rubinenhochzeit verstanden. Hasselroth hat also seine Rubinenhochzeit und es ist sicher eine spannende Aufgabe mal herauszufinden, wer hier wem die Rubinen schenken soll und darf. Ich habe meinerseits die Finanzaufsicht des Kreises dazu noch nicht befragt.
Kommen wir zum Ende noch zu den Bräuchen und Traditionen, wie also nun der 40te Hochzeitstag gefeiert werden soll.
Die wenigsten Ehen halten heute noch 40 Jahre. Deshalb sollte der 40. Hochzeitstag auch ausgiebig gefeiert werden. Das Paar hat schon einiges geleistet, die Ehe so lang aufrecht zu erhalten. Aus Schröthern, Meddelern und Hässelern sind „Glieder einer Gemeinde“ geworden.
Viele Höhen und Tiefen mussten gemeinsam bestanden werden. Man kennt die Eigenheiten des Partners und hat einen Weg gefunden, miteinander glücklich zu sein. Das sollte man zumindest vermuten und ich denke schon, dass dieses Glück heute weniger erzwungen wahrgenommen wird als vor 40 Jahren. Ob es in unserer Gemeindeehe allerdings so ist, wie man in vielen Ehen nach 40 Jahren feststellen kann, nämlich, dass sich das Paar blind vertraut und sich auch ohne Worte versteht, wage ich zu bezweifeln. Na ja, manches dauert eben ein bisschen länger.
Der Rubin, der unserer Hochzeit nun den Namen gibt, ist ein sehr wertvoller roter Edelstein. Symbolisch steht er für den Wert einer so lang gehaltenen Ehe.
Ein großes Fest ist eine schöne Art, den 40. Hochzeitstag zu feiern. Schließlich soll man die Feste feiern, wie sie fallen. Außerdem ist das eine gute Gelegenheit, um die ganze Familie mal wieder zusammen zu sehen. Auch Freunde und Bekannte kommen bestimmt gern zu dem Fest.
Sie alle sind Gäste unserer Hochzeitsfeier, die sich über das Jahr 2014 insgesamt mit einem Schwerpunkt im Sommer erstreckt und einige sogenannte Events bereithält.
Einer ist heute und wir haben Gelegenheit, miteinander die Erinnerung von 40 Jahren Ehe zu pflegen und so die letzten 40 Jahre Revue passieren zu lassen.
Für den feierlichen Rahmen sorgen die Sängervereinigung Neuenhaßlau und eine Auswahl des Blasorchesters der Turngemeinde Neuenhaßlau. Dafür ebenso herzlichen Dank wie für alle Vorbereitung und die vielen fleißigen Hände heute Abend.
Freuen wir uns nach dem Festvortrag und den weiteren Grußworten also auf hoffentlich viel Zeit und Lust zum gemeinsamen Gespräch.
Danke fürs Zuhören und uns allen noch einen wunderbaren Abend.