Pionierprojekt an der Dreispitz wächst - Richtfest für den sozialen Wohnungsbau in Neuenhaßlau: Erste Anfragen für die vier Einheiten

Gruppenbild     copyright: GNZ
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Hasselroth-Neuenhaßlau (ml). Gleich nach den Osterfeiertagen hatten die Arbeiten für den sozialen Wohnungsbau an der Dreispitz in Neuenhaßlau begonnen (die GNZ berichtete). Bei aufkommenden Regen haben gestern Morgen die Gemeinde Hasselroth als Vorhabenträger und die beauftragte Firma Kreppenhofer mit beteiligten Handwerkern und geladenen Gästen, darunter Landrat Thorsten Stolz und Landrat a.D. Erich Pipa, nach zehnwöchiger Bauzeit das Richtfest für das Pionierprojekt im Main-Kinzig-Kreis gefeiert. Die Übergabe des nachhaltigen Gebäudes mit vier Wohnungen à 56 Quadratmeter an die Kommune ist für Mitte Oktober geplant. Voraussichtlich im Januar 2018 können die ersten Bewohner, vorzugsweise aus Hasselroth, einziehen. Entsprechende Anfragen sind schon in der Verwaltung eingegangen, teilte Erste Beigeordnete Uta Böckel mit.

„Und damit soll das Glas jetzt sterben: Bring Glück dem Bau mit deinen Scherben!“, beendete Zimmermann Günter Ortstadt von der Firma Dachteam Dietrich seinen traditionsgemäßen Spruch nach der Aufstellung des farbenfrohen Richtbaums. Sein Trinkglas zerschmetterte gezielt vor dem einstöckigen Rohbau an der Kirchgasse. „Es ist ein besonderer Tag für uns“, stellte Gerlinde Kreppenhofer (Firma Kreppenhofer) angesichts des fertigen Rohbaus fest. Bis zu diesem feierlichen Anlass sei es allerdings kein leichter Weg gewesen, da einige Entscheidungen zu treffen gewesen waren. Kreppenhofer dankte für das in ihr Unternehmen gesetzte Vertrauen und bedankte sich bei den weiteren beteiligten Firmen sowie ihrem eigenen Team.

„Es ist heute ein schöner Tag für uns“, betonte Erste Beigeordnete Uta Böckel in Vertretung von Bürgermeister Uwe Scharf. Böckel schilderte nochmals die Entstehungsgeschichte des Bauvorhabens mit Gesamtkosten von 420 000 Euro. Das Land Hessen fördert das Vorhaben über das Kommunale Investitionsprogramm (KIP) Wohnen mit 308 000 Euro, der Kreis gibt einen Zuschuss von 70 000 Euro aus dem jüngst von 7,7 auf 12 Millionen Euro aufgestockten Förderprogramm für sozialen Wohnungsbau im urbanen Raum. Ein solches gemeindeeigenes Wohnungsangebot für Bedürftige gibt es aktuell in Hasselroth nicht, nachdem einige Wohnhäuser aus dem Gemeindebesitz in den vergangenen Jahren verkauft worden waren.

Gebäude an der Dreispitz     copyright: GNZ
 Gebäude an der Dreispitz copyright: GNZ
Ursprünglich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingslage im Jahr 2015 für in Hasselroth aufzunehmende Asylsuchende konzipiert, hat sich laut Böckel die Zielrichtung für das Wohnprojekt wegen der entschärften Unterbringungssituation in Deutschland längst gewandelt. In den vier Wohneinheiten mit Quadratmeterpreisen von unter 6 Euro sollen nunmehr jeweils zwei bis maximal drei Personen eine Bleibe finden, die sich auch ohne von Hartz IV zu leben keine teurere Wohnung in der Umgebung leisten können.
Nach Angaben von Böckel ist – anders als früher vorgesehen – keine Maximalbelegung mit insgesamt bis zu 24 Personen mehr vorgesehen. Dies lassen die relativ beengten, jedoch barrierefreien Räume der Zweizimmerwohnungen mit Wohnküche und Bad unter regulären Wohnbedingungen eigentlich auch gar nicht zu. Landrat Thorsten Stolz unterstrich die Pionierrolle der Gemeinde Hasselroth – nach der Stadt Wächtersbach mit dem Ortsteil Hesseldorf an erster Stelle – unter den Kreiskommunen, die sich jüngst aufgemacht hätten, bezahlbaren Wohnraum für Bürger mit kleinen Einkommen wie Krankenschwestern oder Verkäufer zu schaffen.
Einerseits seien die wachsenden Städte im Westkreis von Maintal bis Wächtersbach (Innenstadt) positiv zu bewerten, andererseits erhöhe sich der Druck auf den Immobilienmarkt stetig durch hohe Nachfrage. Nach rund einem Jahr sind laut Stolz bereits 4,7 Millionen Euro aus dem Förderprogramm des Kreises, initiiert von seinem Vorgänger Pipa, für konkrete Bauvorhaben in Eigenregie beziehungsweise mit Hilfe eines Investoren abgerufen worden.

Stolz: Als Kreis können wir das Problem nicht alleine lösen

„Als Kreis können wir das Problem nicht alleine lösen“, nahm der Landrat Bund und Land in die Pflicht, ebenfalls Geld in die Hand zu nehmen. Stolz bemängelte auch die bürokratischen Hürden zur Schaffung von Sozialwohnungen. Im Jahr 2016 seien deshalb in ganz Hessen nur 440 zusätzliche Wohnungen dieser Art entstanden. Die geltenden Richtlinien entsprächen nicht den Gegebenheiten, das Geld für die Projekte sei dagegen vorhanden. Der Landrat ermutigte weitere Kommunen dem „Hasselrother Weg“ zu folgen und dankte stellvertretend Uta Böckel für den gezeigten Mut und das Engagement. Immerhin 220 Sozialwohnungen werden laut Stolz bislang durch die vom Kreis geförderten Projekte realisiert werden. Sein Vorgänger im Amt, Erich Pipa, rief daher alle auf, nicht zu jammern. Bis zu 800 Wohnungen könnten insgesamt über das aufgestockte Kreisprogramm in der Region entstehen.
Jeden Morgen fährt Erste Beigeordnete Uta Böckel an dem täglich wachsenden Wohnhaus an der Kirchgasse vorbei. Als besorgte Anwohner vor einigen Monaten gehört haben wollten, dass 24 Wohnungen für Flüchtlinge – statt seinerzeit 24 mögliche Unterbringungsplätze – an dieser Stelle geplant seien und deshalb dagegen Sturm liefen, lernte Böckel daraus, künftig noch transparenter mit solchen Themen umzugehen. Bürger aus Hasselroth, die ihr Interesse an einer Wohnung bekunden wollen, können sich bereits beim Ordnungsamt der Gemeinde auf eine Liste setzen lassen. Auf Antrag der SPD hat das Gemeindeparlament gestern Abend einstimmig beschlossen, den Gemeindevorstand zu beauftragen, Kriterien zur Vermietung und Vergabe von im Gemeindeeigentum befindlichen Wohnungen zu erstellen. Dieser Leitfaden könnte auch für die Kirchgasse 50-52 herangezogen werden.

Für Presseartikel und Fotos bedanken wir uns herzlich bei der Gelnhäuser Neue Zeitung / Hr. Lohbusch